Ein in Schnitt Nr. 1 (NO-Schnitt) angelegtes O-Profil erbrachte wichtige Hinweise zur Schichtabfolge in diesem Areal der Vorburg, das in der Neuzeit durch ein einstöckiges Gebäude (Wagenstellplätze und Pferdestallungen im Erdgeschoß) genutzt wurde. In dieser Hinsicht kommt einem Kupferstich von M. Vischer aus der Zeit um 1680 große Quellenbedeutung zu, da uns dieser Stich eine Ansicht der heute nicht mehr existenten Verbauung in dieser Zone der Deutschlandsberger Vorburg liefert.

Die oberste Schichtabfolge in Schnitt Nr. 1 bestand aus einem im Durchschnitt 0,12 m starken Humuspaket, das über einer 0,82 m mächtigen, stark kalkmörtelhältigen Versturz- bzw. Planierungsschichte mit reichlich Ziegeln, renaissancezeitlichen Ofenkacheln (u.a. grün glasierte Kacheln mit Tapetenmuster aus der Mitte des 16. Jhd) sowie Fragmenten von innenbemalten Stufentellern, lag.

In 0,94 m Tiefe unter der rezenten Oberfläche zeigte sich im Profil ein Bodenniveau aus rechteckigen Ziegeln, die in ein dickes Kalkmörtelbett verlegt waren, wobei es sich um die Bodengestaltung eines inneren Raumbereiches handeln dürfte.

Unter dem Mörtelbett des Ziegelbodens folgten bis auf 2,15 m (tiefster Punkt der Baggerung) unter der rezenten Oberfläche drei mächtige Planierschichten, die von einigen Mörtelbrocken abgesehen, keine weiteren Funde erbrachten.

In 2,04 m Entfernung zur Innenkante der südlichen Ringmauer verläuft quer durch den Schnitt Nr. 1 eine aus Amphipolitbruchsteinen errichtete 0,48 m starke Raumteilungsmauer . Eine weitere, parallel zur heutigen Ringmauer der Burg angelegte 1,4 m starke Mauer aus großen Amphipolitbruchsteinen konnte am Nordende von Schnitt Nr. 1 freigelegt werden, wobei es sich um einen inneren, an den Auffahrtsweg zu Kernburg anschließenden Mauerzug (ältere Ringmauer ) handelt.

An wichtigen Baubefunden ist in Schnitt Nr. 2 (mittlerer Schnitt) eine in NW-SO Richtung entlang der östlichen Schnittgrenze verlaufende Mauer aus Amphipolitbruchsteinen zu erwähnen, die im rechten Winkel ohne eine erkennbare Baufuge an die bereits am Nordende von Schnitt Nr. 1 zum Vorschein gekommene, 1,4 m breite Bruchsteinmauer aus mächtigen Amphipolitsteinen anschließt.

Ein an der Westkante von Schnitt Nr. 2 angelegtes Profil ließ folgende Schichtabfolge erkennen:

Unter einem im Durchschnitt 0,15 m starken Humuspaket lag eine Schicht aus reichlich Kalkmörtelschutt durchmischt mit großen Amphipolitbruchsteinen, des weiteren konnte bei 0,62 – 0,81 m unter der rezenten Oberfläche Ziegelschutt beobachtet werden. In 0,95 m Tiefe zeigte sich ein durchgehend erhaltenes Katzkopfpflaster, das aus großen Bachkieselsteinen bestand, die im 70° Winkel in ein dunkelbraunes Sandbett verlegt waren.

In einer Tiefe von 1,27 – 1,65 m unter der rezenten Oberfläche wurde eine dunkelbraune bis graue Kulturschicht des 15. Jhd. mit massivem Steinversturz dokumentiert, die unmittelbar an der entlang der östlichen Schnittgrenze verlaufenden Steinmauer anstoßt. Aus dieser Kulturschicht wurden zahlreiche keramische Funde (Reste von Töpfen, Krügen und Gefäßkacheln), eiserne Gerätschaften (eine vollständig erhaltene Spitzhaue, eine Schere und ein Steigeisen) sowie zahlreiche Gürtelschnallen und Messer, zum Teil noch mit erhaltenen Holzgriffschalen geborgen. In den militärischen Bereich gehört eine eiserne Armbrustbolzenspitze, die der Kulturschicht unmittelbar auflag. Das Fundspektrum aus diesem Zerstörungshorizont (?) wird zudem durch Reste eines Nuppenbechers aus Glas sowie durch Fragmente eines groben leinenartigen Textils bereichert.

Im Bereich von 1,65 – 2,13 m (Basis der Baggerung) unter der Oberfläche folgte eine dunkelbraune, stark sandige Schicht, die mit kleinen Amphipolitbruchsteinen und mäßig Holzkohlestücken durchmischt war.

Am Nordende von Schnitt Nr. 3 (NW-Schnitt) konnte, wie auch in den Schnitten Nr. 1 und 2, ein parallel zur heutigen Ringmauer im Süden errichteter Mauerzug aus großen Amphipolitbruchsteinen in Kalkmörtelbindung erfasst werden. Unter mehreren Planierschichten der beginnenden Neuzeit zeigte sich im Profil, analog zur Situation in Schnitt Nr. 2, eine Kulturschicht des 15. Jhd. mit reichem keramischen Fundmaterial, wobei ein eisernes Griffdornmesser mit bronzenem Heftabschluß besondere Beachtung verdient.

An der Basis des Baggerschnittes in ca. 2,20 m Tiefe unter der rezenten Oberfläche kam zudem eine dunkle Fundschicht mit großen Amphipolitbruchsteinen und wenig Keramik des 14. Jhd. zum Vorschein.

Der Schnitt Nr. 4 wurde im rechten Winkel auf die Schnitte Nr. 1 – 3 angelegt, wobei die nördlichen Enden der zuvor genannten Schnitte bereits in Schnitt Nr. 4 übergreifen.

An der NW-Schnittkante von Schnitt Nr. 4 wurde ein Profil angelegt, das unmittelbar unter einer 0,45 m starken Humusschicht, die kräftig mit Mörtelschutt, Ziegeln und Steinen durchsetzt war, besonders hervorzuhebende Befunde erkennen ließ.

In einer Tiefe von 0,45 m unter der Grasnarbe wurde ein Katzkopfpflaster aus großen Flußkieselsteinen beobachtet, wobei die Kiesel in ein Bett aus dunkelgelbem Flußsand verlegt wurden. Ein weiteres, stratigraphisch älteres Katzkopfpflaster befand sich in 0,95 m Tiefe unter einer Planierschicht aus gelbem Flußsand, der mit kleinen Amphipolitbruchsteinen durchsetzt war. Dieses ältere Katzkopfpflaster bestand ebenfalls aus großen, schräg stehenden Flußkieseln, die allerdings in einem Sandbett aus grauem, stark mit kleinen Kieselsteinen durchmischten Flußsand ruhten.

Die im NW-Profil von Schnitt Nr. 4 aufgedeckten Katzkopfpflaster können als mindestens zweiphasiges mittelalterlich-neuzeitliches Geh- bzw. Fahrniveau, das sich zudem unmittelbar unter dem rezenten Auffahrtsweg zur Kernburg weiter ausdehnen dürfte, interpretiert werden.

 

Im mittleren Drittel von Schnitt Nr. 4 wurde von der Baufirma zusätzlich eine ca. 0,8 m breite Tiefensondage zur Erkundung der Bodenverhältnisse angelegt.

Ein in diesem Bereich dokumentiertes Nordprofil zeigte unter einer im Durchschnitt 0,12 m starken Humusschicht eine stark mit Kalmörtelbrocken durchsetzte Planierschicht, der in einer Tiefe von 0,27-0,40 m eine weitere humushältige Schicht folgte.

In einer absoluten Tiefe von 0,42-0,72 m unter der rezenten Oberfläche kam ein aus großen Bachkieseln bestehendes Katzkopfpflaster (entspricht dem stratigraphisch jüngerem Pflaster im Nordprofil von Schnitt Nr. 4) zum Vorschein, wobei das Katzkopfpflaster in ein ca. 0,33 m starkes Bett aus Flußsand verlegt worden war.

Die weitere Abfolge bestand aus einer mit Fragmenten von Dachziegeln durchmischten weiß-gelben Kalkmörtelschicht (1,05-1,10 m unter der Grasnarbe), stratigraphisch tiefer konnte eine ca. 0,11 m starke Schicht aus dunkelbraunem Sand beobachtet werden.

In einer absoluten Tiefe von 1,34-1,83 m unter der rezenten Oberfläche zeigte sich eine aus mächtigen Amphipolitbruchsteinen mit reichlich gelblich-braunem Kalkmörtel gefügte Bruchsteinmauer, wobei diesem Mauerzug, dessen Gesamtbreite aufgrund des zu schmalen Baggerschnittes nicht eruiert werden konnte, eine 0,13 m starke Schicht aus Kalkmörtel auflag.

Die weitere Schichtabfolge unmittelbar unter der Steinmauer bestand aus einer 0,10 m starken Schicht aus mit kleinen Amphipolitbruchsteinen durchsetztem Kalkmörtel, der bei 1,93 m Tiefe unter der Oberfläche in eine nur 0,08 m dünne Schicht aus dunkelbraunem Sand überging.

An der Basis der Baggersondage in einer Tiefe von 2,5 m wurde eine Schicht angetroffen, die aus sandigem, gelbbraunem Lehm bestand, der zudem mit wenig Holzkohle durchsetzt war.

Die in der Baggersondage dokumentierte Mauer erstreckt sich in geringem Abstand parallel zu einem 1,4 m breiten Mauerzug, der unmittelbar südlich davon bereits in den Schnitten Nr. 1-3 erfasst werden konnte. Aufgrund der mit Mörtelproben aus der westlichen romanischen Kernburg durchaus vergleichbaren Struktur und Farbe des Kalkmörtels sowie der Lage des untersuchten Mauerabschnitts in der Tiefensondage darf angenommen werden, dass diese Mauer möglicherweise bereits in der Spätromanik bzw. Frühgotik als südliche Begrenzungsmauer des Auffahrtsweges zur Kernburg diente.

Andreas Bernhard