Der steirische Kürbis - Geschichtliches

Die Römer
Bereits die Griechen und die Römer kannten und schätzten den Kürbis. Dabei handelte es sich aber nicht um den gemeinen Kürbis (Cucurbita pepo) sondern um seine pflanzlichen Verwandten, wie zum Beispiel die Melonen und die Flaschenkürbisse. Auch in China gab es schon in Zeiten, die weit vor unserer Zeitrechnung liegen, Berichte über verschiedene Kürbisarten.

Texanische Wurzeln
Russische Forscher vertraten vor Jahrzehnten noch die Meinung, daß es aufgrund der unterschiedlichen Zellstruktur zwei verschiedene Genzentren, und zwar in Afrika und in Amerika gegeben hat. Andere Forscher meinten sogar, dass der Kürbis von Afrika über das Meer schwimmend Amerika erreicht hat. Gleiches sagt man übrigens auch der Kokosnuß nach. Den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge dürfte der Kürbis vom texanischen Kürbis (Cucurbita texana) abstammen. Die texanischen Indianer aßen auch schon die Kerne des Kürbis, die damals allerdings noch etwas bitterer geschmeckt haben dürften, genauso wie das Fruchtfleisch. Erst nach und nach entstanden bitterstoffarme bzw bitterstoffreie Sorten. Dadurch gewann der Kürbis an Bedeutung als Nahrungsmittel: Die Blätter als Gemüse, die Früchte roh, gekocht und getrocknet. Die Kerne wurden frisch oder in getrockneter Form gegessen und die Blüten als Nachspeise verzehrt.

Kürbisse um 4000 bis 6000 v. Chr.
Von Ausgrabungen, die man auf 4000 bis 6000 v.Chr. datiert, weiß man, daß die Indianer in dieser Zeit die Kürbisse nicht nur verspeisten sondern auch diverse Haushaltsgeräte fertigten, wie zum Beispiel Vorratsflaschen aus den Flaschenkürbissen, Löffel, Schöpfer, Eß- und Vorratsgefäße. Auch als Schwimmbojen dienten sie beim Fischfang und es gab auch Musikinstrumente aus Kürbis.

Christoph Columbus:
Christoph Columbus schließlich brachte die Kulturform nach Europa. Schon nach wenigen Jahrzehnten war der Kürbis über ganz Süd- und Mitteleuropa verbreitet.

Der steirische Kürbis - eine Mutation:
Der steirische Ölkürbis, der auch schalenloser Ölkürbis genannt wird, ist eine Mutationsform, bei der die vier äußeren Zellschichten der Samenschale nicht verholzt und verdickt sind. Das bewirkt das typisch oliv- bis dunkelgrüne Aussehen. Der österreichsiche Vererbungsforscher Tschermak-Seysnegg meint, daß der steirische Kürbis durch eine Verlustmutation im 19. Jahrhundert spontan entstanden sei. Andere Forscher meinen, daß es sich um die unbeabsichtigte Rückzüchtung rezessiver Genformen handle und daß diese Gene schon bei der Einfuhr durch Columbus existierten. Wie auch immer, den Anbau des "schalenlosen" steirischen Ölkürbis betreibt man erst seit ca 100 Jahren.

Kürbis als Salbe:
Die Kürbisgeschichte ist verwirrend und oft spekulativ. Interessant sind die Aufzeichnungen aus der Barockzeit, wo zu lesen ist, daß das Kernöl für Speisen viel zu kostbar sei und eher für Salben verwendet werden sollte. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand eine Sonderzüchtung in der Steiermark, bei der die vier äußersten Zellschichten weder verdickt noch verholzt sind, der schalenlose Ölkürbis - cucürbita pepo L. convar. pepo var styriaca. Die schalenlose Form bietet jede Menge Vorteile beim Pressen sowie bei derVerwertung des Preßrückstandes. Der Kürbis war lange in Vergessenheit geraten und war in einigen Teilen Österreichs völlig unbekannt. Nun erlebt er eine Renaissance und wird als Delikatesse gehandelt.

160 Arten
Wußten Sie, daß es rund 160 Kürbisgewächse gibt? Beim Bartlbauer in Wolfsberg in Kärnten werden diese im Oktober ausgestellt, verkostet und verkauft. Kaum ein Gemüse hat so eine Vielfalt an Farben und Formen wie der Kürbis. Einige der bekanntesten und geeignetsten Speisekürbisse:
Atlantic Giant sehr große Früchte (bis über 400 kg)
Baby Bear rund, orange, rankend
Blue Ballet wie Hokkaido, aber blaugrau, rankend
Buttercup dunkelgrün mit eckigen Schultern
Butternuß birnenförmig, rankend
Chestnut rund, graugrün
Busch Crookneck krummer Hals mit Bauch, gelb, noppige Schale
Busch Delicata & Sugarloaf zylindrisch, helle Schale mit grünen Streifen, rankend
Eichel/Acorn (Table Queen) eichel-/herzförmig mit Kippen/Kerben, grün, gelb, rankend
Busch Feigenblatt oval grün-weiß gemusterte glatte Schale, stark rankend
Gelber Zentner rankend, groß, rund
Golden Delicious groß, orange, herzförmig, tankend
Long Island Cheese hellbrauner, leicht gerippt, rund, braucht weniger Wärme als Butternut, rankend
Honigkürbis hellblau-grau gerippt aus der Türkei, Ranker
Krasnodar blaugrau, runder Kürbis aus Russland
Metermoschata auffalende Form: zylindrisch, bis 1m lang
Muskatkürbis tiefgerippt, rund, Farbe dunkelgrün, fruchtiges, oranges Fleisch
Olivenkürbis oval, olivengrün mit hellen Streifen, rankend
Patisson/UFO schildförmig, weiß, grün oder gelb, knackiges, helles Fleisch
Busch Spaghettikürbis zylindrisch, mit heller Schale weiß oder hellgelbes Fleisch, gekochtes Fleisch) zerfällt nudelartig rankend
Sweet Dumpling wie Delicata aber rund, schön
Turbankürbis/Turktuban rot-weiß-grün gestreift, mit größerem Oberteil, rankend
Triamble hellblaugrün, dreilappig mit nussartigem, orangen Fleisch, rankend

Nachsatz:
Vor einigen Jahren wagte der steirische Ölkürbis als "Grünes Gold" in Form von Kernöl den Sprung ins Ursprungsland nach Amerika. Einige steirische Bauern liefern, vorerst für spezielle Feinkostläden und die gehobene Gastronomie in die Neue Welt. Zuerst von Amerika in die Steiermark und nun "Back to the roots" - welch ein Erfolg für das "Pumpkin Seed Oil". Auch wenn man mit dem Kernöl nicht aufgewachsen ist, kann man süchtig werden, auf den Karamelgeruch und den nußigen Geschmack.